Präsentationen gehören für die meisten Studierenden zum alltäglichen Geschäft. Mal allein, mal in der Gruppe, aber fast immer auf Grundlage einer zuvor auf dem Computer erstellten Präsentation. Am häufigsten benutzt werden dürfte wohl Microsofts Powerpoint und Apples Keynote. Schon wesentlich unbekannte dürfte Prezi sein, ein Dienstleister für Online-Präsentationen. Mit diesen Programmen ist man oft auch gut bedient. Ich setze meist auf LibreOffice Impress. Experimentierfreudig, wie ich bin, konnte ich aber der Versuchung nicht widerstehen, etwas anderes auszuprobieren, als ich zufällig darüber stolperte: reveal.js

Reveal.js ist eine Javascript-Bibliothek von Hakim El Hattab, einem schwedischen Frontend-Entwickler und Interface-Designer. Mit dieser Bibliothek kann man Online-Präsentationen erstellen. Die Software dahinter wird beim Anbieter slides.com eingesetzt, dann muss man sich nicht um technische Dinge kümmern und hat einen Editor zum Erstellen der Präsentation. Wer mehr Einfluss auf Optik und Verhalten haben möchte, kann sich die Open-Source-Bibliothek bei Github herunterladen und entweder lokal nutzen oder auf einen Server hochladen.

Installation

Für mich ist der Anlass die Präsentation zu meinem Redaktionspraktikum, in dessen Verlauf ich ein Projekt erstellte. Die Präsentation ist wichtig und benotet, sollte also gut werden. Im ersten Schritt lud ich mir die Bibliothek herunter und auf einen Webspace bei den Ubernauten hoch. Umgehend empfängt einem eine Beispielpräsentation, anhand derer man sich an den Funktionen und Möglichkeiten von reveal.js entlanghangeln kann. Letztendlich können auch Menschen ohne großen technischen Hintergrund an dieser Stelle einfach Texte und Bilder austauschen. Der Reiz an Reveal.js ist aber, wie viel mehr geht.

Große Flexibilität

Hauptvorteilvon Reveal.js gegenüber den Standardlösungen: Unendliche Flexibilität. Man kann vollständig per HTML, CSS, jQuery und Javascript Einfluss auf Verhalten und Optik der Präsentation nehmen. Es lässt sich aber auch so einstellen, dass man Markdown verwenden kann, also kaum technische Kenntnisse braucht, um an einer Präsentation zu arbeiten.

Es lassen sich Notizen für die*den Vortragende*n hinterlegen, eine Übersicht aller Folie anzeigen, zwischen den Folien verlinken und sowohl horizontal als auch vertikal zwischen den Folien wechseln. Ich habe das genutzt, um meine Präsentation in sechs horizontale Schritte anzuordnen und darunter Details anzuordnen. Drückt man die Taste s, wird die Ansicht für die dozierende Person angezeigt mit Vorschau auf die nächste Folie, den Notizen, einer Stoppuhr und der aktuellen Folie. Lädt man sein Werk auf einen Server, kann man problemlos von überall darauf zugreifen, ohne Kompatibilitätsprobleme mit verschiedenen Betriebssystemen und Programmfamilien fürchten zu müssen, da das Web im Gegensatz zu Office-Paketen zum Glück sehr gut standardisiert ist.

Die Ansicht für die dozierende Person

Durch die eingebundene zoom.js-Bibliothek lassen sich Details mit einer einfachen Tastenkombination nah heranholen. Es stehen verschiedene Themes zur Verfügung, es lassen sich aber auch frei neue erstellen. Kurz: Reveal.js ist ein fantastisches Spielzeug für Menschen, die gern etwas mehr Freiheit haben und bereit sind, zu Beginn eine etwas steilere Lernkurve hinzunehmen. Die rentiert sich meiner Meinung nach spätestens bei der zweiten Präsentation, die wesentlich effizienter und stilvoller wird als alles, was sich beispielsweise aus PowerPoint mit einfachen Mitteln herausholen lässt.

Kompatibilität und Export

Sehr wichtig für mich bei wichtigen Präsentationen: Sicherheitsnetze zu haben. Am besten müssen sie nie eingesetzt werden, aber es ist ein gutes Gefühl, sie zu haben. In diesem Fall ist dieses Gefühl für mich mehr als gegeben:

  1. Die Präsentation selbst online
  2. Die Präsentation lokal als Datei auf dem Präsentationsrechner
  3. Die PDF-Version der Präsentation lokal auf dem Rechner
  4. Eine ausgedruckte Variante (ließe sich sogar noch auf OHP-Folien ziehen! :D)

Richtig gelesen, PDF-Version. Sowohl mit als auch ohne die Notizen lässt sich die Präsentation sehr simpel in das PDF-Format exportieren. Das wiederum ist wunderbar interoperable zwischen allen Betriebssystemen und Programmn, hält es doch redundant alle Informationen wie Schriftarten etc. im File selbst vor. Einfach auf Vollbild und die Präsentation steht.

So kann ich mit einem sicheren Gefühl in die Präsentation gehen. Morgen oder übermorgen ist es für mich soweit. Mal sehen, wie es wird.