Es gibt Studiengänge, da ist die Wahl des Themas auf eine Liste oder eine Auswahl von Vorgaben beschränkt. Es gibt aber auch Studiengänge, da ist die Wahl des Themas frei. So ist es auch bei mir. Auf der einen Seite ist das motivierend und angenehm,  auf der anderen Seite bringt es aber auch einige Schwierigkeiten mit sich.

Die Schwierigkeit der Themenwahl potenziert sich insofern, als dass die Bandbreite möglicher Themen nochmals dadurch gesteigert wird, als dass mein Studiengang ein Querschnitt durch Medien-, Kommunikations-, und Webwissenschaft ist. Die Auswahl ist riesig, aber damit auch die Qual der Wahl. Verkomplizierend kommt hinzu, dass ich an einer Fachhochschule studiere und die Anzahl wissenschaftlicher Texte, die zuvor von mir verfasst wurden, eher übersichtlich ist. Es gilt also, sich richtig einzuschätzen.

Im Laufe der letzten Monate hatte ich mir einige mögliche Themen notiert, die mir während des Studiums, im Praktikum und im Alltag eingefallen sind. Dabei beeilte ich mich stets, denn ich habe ein unfassbares Talent dafür, gute Ideen nach einigen Sekunden wieder zu vergessen und ein noch größeres dafür, etwas in Hast zu notieren und die Notizen dann nicht mehr zu verstehen. Nach einer Vorauswahl haben sich folgende Ansätze herauskristallisiert:

  • Die Klickrate als Auswahlkriterium in Nachrichtenredaktionen
  • Medien- und kulturwissenschaftliche Analyse von Patterns und Memes auf Twitter
  • Öffentlichkeitsarbeit der Polizei zu Großveranstaltungen wie dem CSD
  • Rechte Radikalisierung der Gesellschaft durchs Web

Die erste Idee – es wäre eine recht klassische medienwissenschaftliche Arbeit geworden – kam mir bei der Arbeit in einer Redaktion während meines Praxissemesters. Themenauswahl und Platzierung fand fast nur noch nach (erwarteten) Klickzahlen statt. Dass das nicht irrelevant sein würde, war mir klar, aber ich hätte es doch eher als ein von mehreren Kriterien gesehen. Das war auf gewisse Weise ernüchternd. Es wäre eine einfach zu schreibende Arbeit gewesen, aber es ist kein Thema, für das ich brenne oder mit dem ich mich weitergehend beschäftigen möchte nach dem Abschluss.

Die Analyse der Konversationskultur auf Twitter ist auf jeden Fall hochinteressant, ist sie doch von spezieller Art und oft Vorreiter für anderen Plattformen und auch das mündliche Gespräch. Meine Kenntnisse im Bereich der Medienkulturwissenschaft sind jedoch allenfalls als rudimentär zu bezeichnen. Ein weiterer Grund dagegen war, dass ich mir den Spaß am Medium nicht durch die wissenschaftliche Beschäftigung damit ruinieren möchte.

Es blieben also zwei Themen: Eine Analyse der Öffentlichkeitsarbeit der Polizeit und eine Untersuchung der rechten Radikalisierung der Gesellschaft durchs Web. Beides hochinteressante Themen, die auch die Politikwissenschaft mehr als nur anschneiden, das Fach, das ich als nächstes studieren möchte. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich für letzteres Thema brenne, sowohl persönlich, als auch wissenschaftlich und politisch. Daher entschied ich mich, es als Thema vorzuschlagen. Mein Vorschlag an meine Professorin lautete:

Das Web als Katalysator rechter Narrative
Wirkungsweise und mögliche Gegenstrategien

Über die erste Rückmeldung und meine Arbeit am Thema schreibe ich in einem Folgeartikel. :)